Bei dir, Jesu, will ich bleiben

Bei dir, Jesu, will ich bleiben, / stets in deinem Dienste stehn; / nichts soll mich von dir vertreiben, / will auf deinen Wegen gehn. / Du bist meines Lebens Leben, / meine Seele Trieb und Kraft, / wie der Weinstock seinen Reben / zuströmt Kraft und Lebenssaft.

2. Könnt ich's irgend besser haben, / als bei dir, der allezeit / soviel tausend Gnadengaben / für mich Armen hat bereit? / Könnt ich je getroster werden / als bei dir, Herr Jesu Christ, / dem im Himmel und auf Erden / alle Macht gegeben ist?

3. Wo ist solch ein Herr zu finden, / der, was Jesus tat, mir tut: / mich erkauft von Tod und Sünden / mit dem eignen teuren Blut? / Sollt ich dem nicht angehören, / der sein Leben für mich gab? / Sollt ich ihm nicht Treue schwören, / Treue bis in Tod und Grab?

4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich / so in Freude wie in Leid; / bei dir bleib ich, dir verschreib ich / mich für Zeit und Ewigkeit. / Deines Winks bin ich gewärtig, / auch des Rufs aus dieser Welt; / denn der ist zum Sterben fertig, / der sich lebend zu dir hält.

5. Bleib mir nach auf dieser Erden, / bleib auch, wenn mein Tag sich neigt, / wenn es nun will Abend werden / und die Nacht herniedersteigt. / Lege segnend dann die Hände / mir aufs müde, schwache Haupt, / sprich: "Mein Kind, hier gehts zu Ende; / aber dort lebt, wer hier glaubt."

6. Bleib mir dann zur Seite stehen, / graut mir vor dem kalten Tod / als dem kühlen, scharfen Wehen / vor dem Himmelsmorgenrot. / Wird mein Auge dunkler, trüber, / dann erleuchte meinen Geist, / dass ich fröhlich zieh hinüber, / wie man nach der Heimat reist.

Philipp Spitta 1826